Wirtschaftswunder vor dem Abriss

Wenn sich die Räder drehen, brummt die Wirtschaft. Das galt im 19. Jahrhundert zu Zeiten der industriellen Revolution, und das gilt auch heute noch, über 50 Jahre nach dem deutschen Wirtschaftswunder. Doch wenn sich das Rad nicht mehr bewegt, steht das im Umkehrschluss für Wirtschaftsstillstand. Das ist mit unserem Motiv, dem Antriebsrad aus der Sayner Eisenhütte, 1926 passiert. Danach war die Anlage dem Verfall preis- und zum Abriss bereits schon freigegeben.  Doch Privatleute und die Stadt Bendorf bewahrten das Industriedenkmal 1976 vor der Abrissbirne. Später konnte die Eisenhütte mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz  saniert werden.

Errichtet im 18. Jahrhundert

Die Eisenhütte wurde im Bendorfer Stadtteil Sayn am gleichnamigen Flüsschen und von 1769-1770 errichtet. Die neue Hütte bestand aus einem Hochofen, drei Frischfeuern und einem Hammer. Das heutige Industriedenkmal war Teil einer Reihe von Bendorfer Hütten und eine der bedeutendsten Eisengießereien in Preußen. 1778 wurde die Produktion bereits auf zwei Hochöfen sowie vier große und einen kleinen Hammer erweitert.

Eindrücke von der Sayner Hütte

Kanonen für Preußen und Plaketten fürs Volk

Schon bald beschäftigte die Hütte eine stattliche Anzahl bedeutender Modelleure und Ziseleure. Neben Kanonen für Preußens Armeen wurden hier Teile für Ofen, Gitter, Zierbrunnen und Schmuck gegossen. Die handtellergroßen Neujahrsplaketten sind mit ihren eisernen Bildern von rheinischen Baudenkmalen bis heute beliebte Sammlerobjekte.  Große Gussteile konnten mit acht an den Rundsäulen angebrachten Auslegerkränen auf kugelgelagerten Rädern in die Seitenschiffe transportiert werden. Unser Motiv zeigt eines davon.

Konstruktion und Bau der Gießhalle von 1830

Die in den Jahren 1828 bis 1830 errichtete Gießhalle ist bis heute auf der ganzen Welt einzigartig. Ihr Konstrukteur Carl Ludwig Althans (1788-1864) hatte aus Feuerschutzgründen den Dachstuhl und das  Skelett der Gießhalle komplett aus Eisenteilen hergestellt.  Er ließ sich dabei von dreischiffigen, gotischen Kirchen inspirieren, denn dieses Konzept erwies sich mit dem hochgezogenen Hauptschiff und den für den Rauchabzug geeigneten Oberlichtern als überaus brauchbar. Sämtliche Eisenteile  konnten vor Ort gegossen und fast ohne Schrauben montiert werden. Die Gießhalle war über Jahrzehnte Vorbild für viele andere Industriebauten aus genormten vorgefertigten Teilen.  Seit 2010 ist Sayner Hütte als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.