Herzkranke Werbe-Ikone

Elisabeth von Österreich-Ungarn (1837-1898), schönste aller Kaiserinnen, im Volke Sisi genannt, in Filmen als Sissi bekannt: Sie ist bis heute bekannteste Werbe-Ikone des Sprudelhofs Bad Nauheim, dem größten Jugendstilensemble Europas, einem Prachtstück, vom Verfall bedroht. Der Wasserhahn unserer Plakatserie ist Sinnbild für den Kuraufenthalt der Kaiserin im Sommer 1898. Wegen einer leichten kardialen Erweiterung hatte ihr Hofarzt in Wien das internationale Herzbad empfohlen. Der Bad Nauheimer Arzt Prof. Theodor Schott verordnete der Kaiserin Bäder im alten Badehaus 3 und Spaziergänge im Kurpark. Ein paar Tage nach ihrer Abreise aus Bad Nauheim wurde die Kaiserin Opfer eines Attentats in Genf. Ein italienischer Anarchist hatte ihr eine Feile ins Herz gerammt.

Sprudelbäder wie einst zur Jugendstilzeit

Schon vor über 2500 Jahren nutzten die Kelten das Salz der Böden hier. Aber erst ab 1823 machten sich die Menschen die heilende Wirkung der Sole zu Nutze. Als urplötzlich zwei Tage vor Weihnachten 1846 aus einem aufgegebenen Bohrloch ein mächtiger Strom mit fast 40 Grad heißem Solewasser die Erde durchbricht, ist das Sprudelbad Nauheim geboren. Der hohe Salz- und Kohlensäuregehalt verspricht bis heute Linderung bei Herz, Kreislauf-, Hauterkrankungen und Rheuma. Im Jahr 1899 wurden in Bad Nauheim sagenhafte 300.000 Kurgäste gezählt. Die Nachfrage war so gewaltig, dass Großherzog Ernst Ludwig, Initiator der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, die Badeanlagen in Bad Nauheim neu bauen ließ. So entstand 1905-1910 ein Jugendstilkunstwerk, das in dieser Geschlossenheit seinesgleichen sucht, mit sechs Badehäusern und 264 Badezellen.

Eindrücke vom Sprudelhof in Bad Nauheim

Sanierung immer hinausgezögert

Beeindruckend ist bis heute, dass die Anlage bis ins Detail durchkomponiert wurde, noch dazu mit sehr viel technischem Sachverstand. Denn die Badehäuser funktionieren ohne Pumpen. Das Gelände des Sprudelhofs wurde dazu dreieinhalb Meter unter das Straßenniveau gesenkt, damit das warme Sprudelwasser direkt in die Wannen laufen kann. Auf Anfrage ist es im Badehaus 3 auch heute noch möglich, ein Wannenbad zu nehmen. Fünf bis sechs Badezellen sind weiterhin voll funktionstüchtig. Die meisten anderen sind stark verschlissen. Lange fehlte ein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Dem Komplex drohten immer größere Schäden. Doch mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte der Verfall gestoppt und die Sanierung begonnen werden.