Hoffnung für einen zum Tode Verurteilten

Glockenklang verkündet seine Ankunft.  Johann Friedrich I. von Sachsen (1503-1554) ist wieder da. Seine treue Gemahlin hat um sein Leben gebangt, fünf Jahre lang.  Denn wegen seines Kampfes für die Lehre Martin Luthers war Johann Friedrich der I. vom Kaiser zum Tode verurteilt worden. Aus der Gefangenschaft heraus beauftragte er als Symbol der Hoffnung und Unterpfand für seine Rückkehr den Bau eines Jagdschlosses bei Wolfersdorf in Thüringen. Aus der Kapelle dieses Schlosses stammt die abgebildete Glocke.

Glocke galt 150 Jahre als verschollen

Johann Friedrich I., auch der Gutmütige genannt, war der damalige Führer der Protestanten und wurde 1547 in der Schlacht von Mühlberg durch Kaiser Karl V. und seine katholischen Truppen vernichtend geschlagen – er geriet in Gefangenschaft, ihm drohte das Schafott. Als er 1552 freigelassen wurde,  feierten er und seine Ehefrau Sibylle von Kleve ihr Wiedersehen auf Schloss Wolfersdorf. Seither wird das Schloss „Fröhliche Wiederkunft" genannt. Die Beziehung des Herrscherpaares war eine für die Zeit ungewöhnlich innige und liebevolle. Das ist auch der Hintergrund, warum Schloss Wolfersdorf heute noch bei Hochzeitpaaren sehr beliebt ist.

Den Bund einer neuen Ehe verkündet demnächst wieder die Glocke „St. Maria“, unser Motiv. Sie wurde bei Arbeiten im Dachgeschoss gefunden und ebenfalls restauriert, nachdem sie 150 Jahre als verschwunden galt. Demnächst soll sie wieder von ihrem angestammten Platz in einem der Türme erklingen. Die Gesamtsanierung  von Schloss Wolfersdorf wird seit Jahren von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorangetrieben. Die um 1480 gegossene Glocke bleibt also Symbol der Hoffnung, fest eingebunden in die Tradition und Rettung eines großartigen Denkmals der Renaissance.   

Eindrücke von Schloss Wolfersdorf

Das Schloss „Fröhliche Wiederkunft“ – ein Kunstwerk der Renaissance

Hofbaumeister Nikolaus Gromann errichtete das Jagdschloss  von 1548 bis 1550 auf einer Insel in einem kleinen See inmitten des Ortes. Nach schweren Schäden im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss 1858 bis 1865 von Herzog Joseph von Sachsen-Altenburg restauriert und im neogotischen Stil um- und ausgebaut. Doch in den Jahrhunderten danach verlor Schloss Wolfersdorf an Bedeutung und war bis vor kurzem dem Verfall preisgegeben, das Dach eingestürzt, die Säle von Vandalen verwüstet. Bis man sich erinnerte, auf welch bedeutsame Geschichte der Ort zurückblickt, die Zeit der Reformation, die Zeit von Martin Luther, dessen rückhaltloser Förderer Johann Friedrich der I. war.