Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, Charlottenburg© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Rettungsaktion der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Auch Wahrzeichen sind nicht vor dem Verfall gefeit. 2006 schlugen die Denkmalpfleger Alarm: Faustgroße Steinbrocken drohten sich aus dem Ruinenturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche direkt am Kurfürstendamm zu lösen. Sämtliche Fugen mussten dringend erneuert werden. Unverzüglich sagte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Hilfe für das Mahnmal gegen den Krieg zu und rief eine bundesweite Spendenaktion ins Leben – mit überwältigender Resonanz. 

Einfluss romanischer Kirchen auf Bau von Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II. veranlasste den Bau der Kirche in Gedenken an seinen gleichnamigen Großvater. Im Jahr 1891 erfolgte die Grundsteinlegung. Bereits vier Jahre später konnte die Kirche eingeweiht werden. Der neoromanische Bau wurde von den romanischen Kirchen des Rheinlands wie dem Bonner Münster oder der Gelnhauser Marienkirche stilistisch beeinflusst. Auch die Fassadenverkleidung aus Tuffstein ist typisch für das Rheinland. Die Ausgestaltung des Innenraums – ganz im Stil der Neuromantik – wurde beispielgebend für die Epoche. Viele namenhafte Künstler schufen die Mosaiken, Reliefs und Skulpturen mit biblischen Motiven.

Zerstörung und Neubau der Kirche

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche weitgehend zerstört. Lediglich die Turmruine und Teil des Kirchenschiffs blieben erhalten. Bei einer Wettbewerbsausschreibung 1957 für einen Neubau der Kirche gewann Egon Eiermann den Auftrag. Er sah einen Abriss der Ruine vor und eine neue Kirche als Ersatzbau. Das stieß bei der Bevölkerung jedoch auf solch heftigen Protest, dass die Ruine erhalten blieb und zum Mahnmal sowie schließlich sogar zum Wahrzeichen Westberlins wurde. Statt die Überreste also abzureißen, versuchte man, die Turmruine zu erhalten durch die Sicherung der Substanz und die Konservierung der Fassaden.

Koexistenz von Alt und Neu

Zwischen 1959 und 1963 entstand dann doch ein neuer Turm nach den Plänen von Egon Eiermann. Allerdings entschloss man sich zu einer friedlichen Koexistenz von Alt und Neu, indem ein neuer Turm neben dem alten neoromanischen Turmstumpf gebaut und ein neues Schiff und eine Kapelle errichtet wurden. Auch viele der Elemente des Innenraums wie Altar, Kanzel und Taufbecken, Kerzenleuchter, Lampen und Gestühl oder Orgelprospekt wurden von Eiermann entworfen.

Musterbau der Nachkriegsmoderne und Sanierung des Turms

Heute gilt eben dieses Ensemble aus Ruine und Egon Eiermanns klarlinigen, flankierenden Bauten aus den 1950er Jahren als herausragendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne, weil es auf solch unverwechselbare Art und Weise die städtebauliche Dominante als Symbol des Lebens- und Wiederaufbauwillens von West-Berlin nach 1945 dokumentiert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich deshalb für den Erhalt des alten Turms eingesetzt und sich finanziell an verschiedenen Instandsetzungsmaßnahmen beteiligt.