Der Gartenpavillon auf Gut Rixförde ist in Gefahr

© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Bröckelnde Behaglichkeit

Auch wenn auf und um Gut Rixförde keine einzige Bombe gefallen ist, sieht das klassizistische Teehaus im Park der Anlage aus, als wäre es ein Opfer des Krieges geworden. In diesem Gartenpavillon, der 1911 nahe der niedersächsischen Stadt Celle erbaut wurde, trafen sich die VIPs der damaligen Zeit: Wilhelm Prinz von Preußen oder Paul von Hindenburg waren Gäste des Besitzers Willy Tischbein (1871-1946), einem ehemaligen Radrennprofi und Unternehmer. Der klassizistische Gartenpavillon von Gut Rixförde war ein behagliches Refugium nach der Jagd, ein optisch und architektonisch einmaliger Ort. Im Zweiten Weltkrieg diente der Pavillon jedoch nur noch als Luftschutzbunker, denn den Keller schützte eine stabile Betondecke. Bald nach dem Krieg wurde das Gut kaum und der Gartenpavillon gar nicht mehr genutzt, das Teehaus verfiel.

Dieser Winter kann der letzte sein 

2014 verkauften Tischbeins Nachfahren das Ensemble, das Haupthaus wurde von den neuen Eigentümern vollständig saniert und vor dem Einsturz bewahrt. Doch der Gartenpavillon ist nach wie vor massiv bedroht. Der Dachstuhl des Gebäudes ist akut einsturzgefährdet. Schieferziegel fehlen. Das Material bröckelt. Moos hat sich bereits großflächig ausgebreitet. Der Bau ist Witterung und Wasser schutzlos ausgeliefert. Überall klaffen Löcher.

Harmonie von Architektur und Landschaft

Erbauer ist der einflussreiche Architekt Paul Schultze-Naumburg (1869-1949). Der Mitbegründer des Deutschen Werkbundes propagierte klare, einfache Baukörper, die sich sanft in die Landschaft einfügen. Der Rixförder Pavillon ist ein Musterbeispiel dieses Ideals: Auf einer leichten Anhöhe erhebt sich der eingeschossige ovale Bau auf einem Sockel aus Ziegelmauerwerk. Das Gebäude inmitten eines Parks hat drei Räume: der mittlere misst 50 qm², seitlich schließen sich ein Schlafkabinett und eine Bibliothek an.