Spalatinhaus

Spalatinhaus in Torgau© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Ein Heim der Reformation

Er war bekannt für seine großen Reden. So soll Reformator Georg Spalatin (1484 - 1545) behauptet haben: „Wenn ich nicht gewesen wäre, nimmer wäre es mit Luthero und seiner Lehr so weit gekommen.“ Besagter Martin Luther schätzte Spalatin als Freund und Beschützer, trotz oder gerade wegen seiner markigen Sprüche. Spalatin war Theologe, ein bedeutender deutscher Humanist, Theologe und Historiker – und wurde auch „Steuermann der Reformation“ genannt. Das einzig erhaltene Wohnhaus Spalatins steht im sächsischen Torgau. Erbaut von 1492-94 gehört es zu den letzten spätgotischen giebelständigen Häusern der Stadt.  
Doch die Substanz hat gelitten – das Dach muss dringend saniert und das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt werden. 

Verkauft für 200 Gulden

Spalatinhaus in Torgau© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

1523 übertrug Kurfürst Friedrich der Weise das Priesterhaus seinem Vertrauten Spalatin, der nicht nur sein Geheimsekretär sondern auch sein Beichtvater war. Fortan war Spalatins Haus in Torgau eine Begegnungsstätte und Keimzelle der Reformation. Nächtelang müssen Luther und der sächsische Theologe hier diskutiert haben. Er verkaufte das Gebäude 1533 mit Zustimmung des Kurfürsten für 200 Gulden. Der Renaissancebau ist zu großen Teilen in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Doch das Priesterhaus in der Katharinenstraße ist vom Verfall bedroht. Der Dachstuhl aus dem 15. Jahrhundert ist schadhaft. Außerdem wurden im 18. oder 19. Jahrhundert der straßenseitige Fachwerkgiebel wegen Schäden verblendet - diese Verblendung muss nun entfernt und der alte Giebel rekonstruiert werden. Seiten- und Hintergebäude, die später angebaut wurden und nicht zum historischen Ensemble gehören, müssen funktionsbezogen umgebaut werden. Hier soll zum Reformationsjubiläum 2017 die Ausstellung „Martin Luther und die Fürsten“ Geschichte erlebbar machen. 

Mit Luthers Segen

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich dafür ein, das Spalatinhaus als authentischen Ort der Reformation zu bewahren. Ihre Spende hilft, dieses einmalige Haus zu erhalten und in Zukunft wieder zu einem lebendigen Geschichtsort zu machen. Denn das Denkmal verkörpert nicht nur exemplarisch die Baukultur um 1500. Das Spalatinhaus war vor allem ein Ort, an dem konfessionspolitische Weichen von europäischer Tragweite gestellt wurden.