Schulschiff Deutschland

Schulschiff Deutschland, Bremen© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwimmendes Denkmal für die traditionelle Ausbildung der Seeleute im 20sten Jahrhundert

Dieses „schwimmende Denkmal“ in Bremen ist einer der letzten Segelschulschiffneubauten aus der Werft von Joh. C. Tecklenborg – einem Spezialisten für hochwertige Segelschiffe. Fertig gestellt wurde der Segler, der in der Bremer Vorstadt Vegesack liegt, im Juni 1927. Die Schulschiff Deutschland ist ein aus Stahl gebautes Segelschiff. Es hat keinen Hilfsmotor und diente viele Jahre als Ausbildungsschiff für den seemännischen Nachwuchs der Handelsmarine. 

Eine Initiative von Erbgroßherzog Friedrich August von Oldenburg 

Es wurde als viertes Schiff von dem Deutschen Schulschiff-Verein, der 1900 gegründet wurde, in Auftrag gegeben. Anlass für die Gründung des Vereins war, dass es kaum Segelschiffe gab, auf denen der Nachwuchs zu Matrosen und Deckmannschaften der deutschen Handelsmarine ausgebildet werden konnte. Deswegen ergriff der marinebegeisterte Erbgroßherzog Friedrich August von Oldenburg die Initiative und gründete mit Hilfe wohlhabender Fürstenhäuser den Verein. Insgesamt vier Großsegler gab der Verein für die Ausbildung der Zöglinge in Auftrag.

Bis 1972 auf großer Fahrt

Die Schulschiff Deutschland unternahm zwischen 1927 und 1944 mehrere Ausbildungsfahrten, um die seemännische Praxis der Schiffsjungen zu trainieren. Im Winter wurden meist Ziele in Übersee wie Afrika oder Südamerika angesteuert und in der Sommerzeit Häfen in der Nord- und Ostsee. 

Insgesamt gab es 29 Fahrten, davon 12 Überseereisen und 17 Nord- und Ostseereisen. Während des Zweiten Weltkriegs waren diese Reisen jedoch eingeschränkt und fanden meistens nur noch in der Ostsee statt. 

Nach Ende des Krieges sollte die Schulschiff Deutschland eigentlich als Reparationsleistung abgegeben werden. Ein kurzzeitiger Einsatz als Lazarett-Schiff konnte dies jedoch verhindern. 

Von 1949 bis 1952 diente sie wiederum als Jugendherberge. Erst am 1. April 1952 fanden sich wieder 18 junge Seeleute ein, um dort ihre seemännische Ausbildung zu beginnen. Daran anschließend wurden die meisten von ihnen von Bremer Reedereien übernommen. 

Bis 1972 wurde das Schiff für den Schulschiff-Betrieb genutzt. Erst dann baute der Schulschiff-Verein den Segler um und nutzte ihn als Schulinternat. 

Rost setzt dem traditionsreichen Schulschiff massiv zu

Auch wenn mittlerweile keine Schiffsmechaniker – so nennt man die Seemänner heute – ausgebildet werden, ist das Schiff heute ein einmaliges Denkmal für die Ausbildung der Seeleute in den bewegtesten Zeiten des 20sten Jahrhunderts. Das ist jedoch in Gefahr, denn trotz regelmäßiger Wartungsarbeiten rostet der Rumpf immer stärker. 

Grund dafür ist die Bauweise des Schiffes, das eigentlich für eine viel kürzere Lebensdauer konzipiert wurde. Zudem wurde in den 1950er Jahren Betonverfüllungen vorgenommen, die kaum reversibel sind und aufgrund der fehlerhaften Ausführung die Rostentwicklung begünstigen. 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wird sich aufgrund der besonderen technik- sowie verkehrsgeschichtlichen Bedeutung an der Sanierung des Rumpfs beteiligen, um das maritime Denkmal zu erhalten.