Schloss Thurnau

Schloss in Thurnau© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Weitläufige Schlossanlage als Wahrzeichen von Thurnau

Die Schlossanlage dominiert mit ihren vielgestaltigen Gebäudetrakten und Türmen aus schwerem Sandsteinquadermauerwerk noch heute das oberfränkische Städtchen Thurnau und zählt zu den größten und wichtigsten Schlossanlagen in Nordbayern. Vom oberen Schloss, einer Dreiflügelanlage um einen weiten Hof, führt ein Tor nach Norden in den kleineren Innenhof des unteren Schlosses. Die Stadtfront im Norden bewehrt eine Zwingeranlage mit drei Rundtürmen. Nach Osten führt ein Holzgang zur nahe gelegenen Pfarrkirche. 

Oberer Hof im Schloss Thurnau © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Ursprung der Anlage im 13. Jahrhundert

Begründet hatte die Anlage im 13. Jahrhundert die Familie Förtsch, deren Mitglieder als Ministeriale der Fürsten von Andechs und Meran in den Adel aufstiegen. Typisch für zu Macht gekommene Dienstleute war der ursprüngliche, auf einer Felskuppe errichtete Wohnturm (Kemenate), der 1239 als "Hus uf dem Stein" erstmals erwähnt ist. Damit ist die Kemenate der älteste Teil des Gebäudes. Er reicht bis ins dritte Obergeschoss. Auffallend ist dabei auch der dreigeschossige Schweifgiebel.

Umbauten vom 15. bis 18. Jahrhundert

Aus dem Vorhof entwickelte sich westlich der untere Hof. Nach Zerstörung durch die Hussiten entstand im Zuge der Erneuerung Mitte des 15. Jahrhunderts an seiner Nordseite der Archivbau, an der Südseite der Storchenbau mit dem ehemals durch eine Zugbrücke ausgestatteten Tor in den ummauerten oberen Hof. Trotz der Befestigungen brannte die Burg während der Bauernkriege 1525 nieder. 

Die ersten Wiederherstellungsarbeiten veranlasste noch Wolf Förtsch. Nach 1551 waren allerdings seine beiden Schwiegersöhne die treibende Kraft bei der Erneuerung des Gebäudes. Hans Georg von Giech ließ die Kemenate in Renaissanceformen ausbauen. Dabei errichtete er 1581 deren Südgiebel und den Gebetserker. Anschließend entstanden die beiden Treppentürme, 1583 der "Hintere Schnecken" im Hof, 1591 der "Vordere Schnecken" an der Außenseite. Zugleich wurde der untere Hof durch die Künßbergflügel geschlossen. Im oberen Hof wurde um 1600 an der Westseite der Hans-Georgen-Bau errichtet und das Torhaus erneuert. Der Südflügel folgte 1714. Einige Jahre später um 1731 wurde dann der Karl-Maximilian-Bau an der Ostseite gebaut. Eine Fülle von Ausstattungselementen aus den unterschiedlichen Epochen spiegelt den Kunstsinn und repräsentativen Anspruch der Geschlechter von Giech und von Künßberg wider, die als prägende Bauherren in Erscheinung treten.

Sanierung von Fassade und Dachstuhl

Schloss in Thurnau© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Weil Thurnau als eine der ausgedehntesten und im historischen Sinne besterhaltenen Burg- und Schlossanlagen aus Mittelalter und Renaissance in Deutschland gilt und dem Schloss damit eine nationale Bedeutung zukommt, setzte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in den vergangenen Jahren mehrfach für dessen Erhalt ein, indem sie verschiedene Maßnahmen wie die Eindeckung und die Fassadenrestaurierung der Kemenate sowie die Dachstuhlsanierung des Hans-Georgen-Baus finanziell unterstützte. Seit einigen Jahren kann das Schloss zum Teil wieder genutzt werden und beherbergt ein Wissenschaftszentrum, das unter anderem von der Universität Bayreuth und der Gräflich Giech'schen Stiftung Thurnau getragen wird. Doch noch immer besteht Handlungsbedarf: Der Gebetserker ist statisch gefährdet und infolge des Werkstein-Substanzverlusts dringend restaurierungsbedürftig. Daher setzt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 2014 für die Instandsetzung der Fassade und der Innenwände des Gebetserkers ein und fördert die Sanierungsarbeiten finanziell.