Kornscheune Dinkelsbühl

© Stadt Dinkelsbühl

Getreidespeicher einer mittelalterlichen Stadt

Drei goldene Kornähren trägt Dinkelsbühl im Wappen. Und auch drei Kornspeicher standen hier Anfang des 16. Jahrhunderts. Noch heute sind zwei davon vollständig erhalten – eines der beiden war bis 2012 die Jugendherberge der Stadt. Der ehemalige Kornspeicher ist ein Ort, an dem die Uhren seit der Renaissance scheinbar stehen geblieben sind.
Doch Dach und Fassaden des riesigen Fachwerkbaus aus dem Jahre 1508 haben über die Jahrhunderte gelitten – die Jugendherberge musste wegen des großen Sanierungsbedarfs längst geschlossen werden.

Unterirdische Versorgungsgänge

Zu jeder mittelalterlichen Stadt gehörte auch wenigstens ein großer Speicherbau, in dem Getreide- und Lebensmittelvorräte für den Notfall gelagert wurden. Das Kornhaus in der Koppengasse wurde dazu dreigeschossig mit einem leicht vorkragenden Ober- und vier Dachgeschossen errichtet. Das Erdgeschoss ist in eine dreischiffige Halle mit Balkendecke unterteilt. Die Speicher darüber werden von zwölf mächtigen, achtkantigen Holzpfeilern getragen. Der Keller war ursprünglich mit anderen Gebäuden der Stadt unterirdisch verbunden, was die Versorgung innerhalb Dinkelsbühls deutlich erleichtert haben muss.

Renaissancebau in einer Stadt ohne Leuchtreklame

Der Erhalt der alten Bausubstanz im mittelfränkischen Dinkelsbühl ist Verdienst König Ludwigs I. von Bayern. Auf diese Weise wurde das Erscheinungsbild einer Altstadt bewahrt, die im Großen und Ganzen so aussieht wie vor 500 Jahren. Strikte Bauvorschriften, etwa das Verbot von Leuchtreklame oder eine vorgegebene Fenstergestaltung, dazu die zwingende Verwendung von Dacheindeckungen in roter Farbe, das sind Gedanken, die auf den Ideen eines vorausdenkenden Königs und seiner denkmalpflegerischen Gesetzgebung von 1826 gewachsen sind.

Erst Scheune, dann Lazarett, heute Jugendherberge

Im Jahre 1938 wurde der Kornspeicher zum Jugendheim umgebaut. Im 2. Weltkrieg nutzte man es als Lazarett. Ab 1953 wurde der Bau in eine Jugendherberge überführt. Aufgrund des Sanierungsbedarfs wurde die aber mittlerweile geschlossen. Ihre Spende hilft bei der dringend nötigen Dach- und Fassaden-Sanierung des Baudenkmals in imposanter Hanglage. Ziel ist es, die Kornscheune Dinkelsbühl so bald wie möglich wieder zur Begegnungsstätte der Jugend zu machen, damit sie von da aus eine Stadt erleben lernen, die ihresgleichen sucht.