Heiligen-Geist-Hospital Lübeck

Heilig Geist Spital Westfassade© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Einmaliges Zeugnis sozialen Engagements von 1286 bis heute

Das Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck ist eine der ältesten Sozialeinrichtungen der ganzen Welt. Seit der Fertigstellung 1286 kümmert man sich hier um alte und kranke Menschen. Auch heute noch wird das Gebäude, das in der Tradition der Heilig-Geist-Spitäler wie dem Santo Spirito in Rom oder dem Hospital Biloke in Gent steht, als Seniorenheim genutzt. Von Bombentreffern verschont, zählt es heute zu den wertvollsten Schätzen der Lübecker Altstadt, die 1987 von der Unesco unter Schutz gestellt wurde.

Armen- und Krankenpflege gegen Himmelslohn? 

Gerade im 13. Jahrhundert profitierte Lübeck von der günstigen geografischen Lage und erlangte einen immer größeren Reichtum. Gleichzeitig zerfiel aber auch der soziale Zusammenhalt. Arme, Alte und Kranke hatten das Nachsehen. Deswegen errichteten einige wohlhabende Lübecker Kaufleute das Heiligen-Geist-Hospital, welches mit größeren Ländereien ausgestattet wurde. Auf diese Weise wurden Betrieb und Unterhalt sichergestellt. Ob der Bau ganz uneigennützig war, ist ungewiss, waren die Hospitaliten doch verpflichtet, für das Seelenheil der Stifter zu beten. 

Heilig Geist Spital Langes Haus Männergang© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Eines der bedeutendsten Großbauwerke des Mittelalters

Der Backsteinbau des Heiligen-Geist-Hospitals ist wahrlich imposant und gehört zu den bedeutendsten Monumentalwerken des Mittelalters. Dabei besteht der Gebäudekomplex – in repräsentativer Lage am Koberg – aus einer großen, dreischiffigen Hospitalkirche, einem langgestreckten, einschiffigen Saal der Hospitaliten, auch das „Lange Haus“ genannt, sowie mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden. 

Originale Ausstattung ist weitgehend erhalten

Kirche und Saal bilden zusammen eine T-förmige Anlage. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde in die Kirche ein Lettner eingebaut, der heute noch weitestgehend erhalten ist. Auf diesem ist auf 23 Tafeln die Legende der heiligen Elisabeth dargestellt, die sich Zeit ihres Lebens um Arme und Kranke kümmerte. Der Bilderzyklus wurde von einem unbekannten Maler geschaffen und zählt zu den frühesten Werken der Tafelmalerei. Auch die übrige wertvolle Ausstattung wie die Altäre sind nahezu unversehrt. 

Auch im Langen Haus findet man zahlreiche mittelalterliche Malereien. Der 88 Meter lange Saal mit einer an einen Schiffsrumpf erinnernden Deckenkonstruktion beherbergte damals die rund 100 Hospitaliten. Weil die Kirche direkt daran anschloss, konnten auch die Bettlägerigen – zumindest akustisch – an den Gottesdiensten teilnehmen. 

Im Jahr 1820 wurde der Saal umgebaut. Zu schnell vermehrten sich hier Viren und Krankheiten. Anstelle des Saals bewohnten die Patienten von nun an kleine, hölzerne Kammern. Diese „Kabäuschen“ waren in vier langen Reihen angelegt und nach Männern und Frauen getrennt. 

Heute ein modernes und lebendiges Altenpflegeheim

Bis 1970 wohnten in den historischen Zimmern noch Senioren – die letzten Bewohner verließen ihre Kämmerchen nur ungern. Auch wenn in anderen Gebäudeteilen anschließend ein modernes Altenpflegeheim errichtet wurde, sind die Kabäuschen noch heute erhalten. Einige von ihnen sind sogar noch mit dem originalen Inventar ausgestattet.

Denkmal in Gefahr: Mauerwerk marode

Den Lübeckern liegt ihr Heiligen-Geist-Hospital sehr am Herzen. Jedes Jahr vor Weihnachten findet hier ein über die Stadtgrenzen hinaus bekannter Kunsthandwerk-Weihnachtsmarkt statt. Doch das historische Gebäude ist in Gefahr!

Weil die Ankereisen rosten, reißt das Mauerwerk an vielen Stellen. Dadurch kann Feuchtigkeit eindringen, die wiederum zu Abplatzungen von Stein- und Fugenmaterial führt. Auch die Kupferverblechung der Mauerwerksabdeckungen ist rissig. Zudem sind viele der Maueranker locker. 

Die Arbeiten sind dringlich, denn nur bei einer schnellen Sanierung des Mauerwerks können weitere Schäden vom Heiligen-Geist-Hospital abgewendet werden. Deswegen unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierungsarbeiten der Schaufassade zum Koberg hin. Dabei soll das Mauerwerk wieder instandgesetzt und die gotischen Fenster erhalten werden.