Dom St. Nikolai in Greifswald

Dom St. Nikolai in Greifswald© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Verborgene Schwachstellen des Greifswalder Doms

Der Dom in Greifswald offenbart seine Schwachstellen nicht jedem. Die kräftig rote Backsteinfassade täuscht über seinen Zustand hinweg. Im Inneren klaffen Risse und es gibt erhebliche Schäden im Dachstuhl. Trotzdem hat das Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik seine imposante Erscheinung noch nicht verloren. Die erkannte auch der romantische Maler Casper David Friedrich, der in Greifswald geboren und im Dom getauft wurde. In vielen seiner Gemälde steht der Dom im Mittelpunkt. 

Die Bürger der Stadt errichteten ihn zwischen 1275 und 1410. Im Jahr 1456 gründete man hier die Greifswalder Universität und erhob die einfache Pfarrkirche zur Kollegiats- und Stiftskirche. Noch heute finden darin Immatrikulationsfeiern und akademische Ehrungen statt. Als der Bischof von Stettin 1945 nach Greifswald zog, um von dort die Landeskirche in Vorpommern zu leiten, wurde die Kirche zum Dom.      

Sturz und Wiederaufbau

1515 und erneut 1650 stürzte der 120 Meter hohe schlanke gotische Turmhelm nach schweren Stürmen ein. Dabei wurden die Nikolaikirche und die umliegenden Häuser stark beschädigt. Als die Architekten den Turm um 1650 wiederaufbauten, orientierten sie sich an der Stralsunder Marienkirche und den niederländischen barocken Türmen: Die waren weitaus stabiler, da sie aus Kuppeln und Laternen bestehen. Die barocke Spitze trotzte allen Winden und behauptet sich bis heute in unveränderter Form. 

Gutachten weisen auf bedrohlichen Zustand hin

Dom St. Nikolai in Greifswald© Roland Rossner - Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Vielen Menschen ist nicht klar, „wie krank der Dom ist, wie gefährlich ihm die Risse in der Ost- und Westseite des Gemäuers werden könnten oder der Schwamm in den Dachbalken“, alarmierte der langjährige Dompastor Matthias Gürtler Anfang dieses Jahres die Öffentlichkeit. Er verwies auf die Ergebnisse neuer Gutachten, nach denen die Lage bedrohlich ist. 

Mehrere Ankerköpfe im Mittelschiff sind nicht mehr intakt, eiserne Beschläge zum Teil gerissen. Wenn nur einer der Zuganker versagt, sind keine äußeren Strebebögen vorhanden, die den Schub aus den Gewölben auffangen und einen Einsturz verhindern könnten. Darüber hinaus existieren meterlange vertikale Risse durch den Turm. Reparaturen am Dach verhinderten das Schlimmste, doch der Hausschwamm und die Kernfäule konnten bisher nicht vollständig behoben werden.

Akuter Handlungsbedarf: Fenster, Mauerwerk und Fassade müssen saniert werden

Dom St. Nikolai in Greifswald© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Dabei schienen die konstruktiven Mängel weitgehend beseitigt. Drei Bauabschnitte hatte man 2011 abgeschlossen. Nun sieht alles ganz anders aus. Die Arbeiten der Restauratoren im Inneren wurden unterbrochen und zurückgestellt, denn sollte nicht bald etwas geschehen, müssten Teilbereiche des Doms „vermutlich gesperrt werden, um Besucher vor herunterfallenden Steinen zu schützen“, warnt Gürtler. 

An der Fassade sind – mit dem Fernglas – desolate Gesimse zu erkennen. Dass sich auch hier der Schwamm breitmacht, sieht man hingegen mit bloßem Auge. Fenster sind undicht, Mauerwerksanker korrodieren, die Fassade verwandelt sich in eine moosgrüne Landschaft. Hier versucht die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu helfen. Sie möchte die Sanierungsmaßnahmen des Gebäudes auch in den nächsten Jahren unterstützen. 

Die Stiftung KiBa (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland) hat den Dom St. Nikolai in Greifswald zur Kirche des Jahres 2013 gekürt.