Brentanohaus

© Architekturbüro Dreier/Niederbrechen

Ein Zentrum der Rheinromantik

Das Brentanohaus in der hessischen Stadt Oestrich-Winkel ist eines der besterhaltenen Beispiele adeliger Wohnkultur des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Erbaut wurde das Landhaus 1751. 1804 erwarb die Frankfurter Kaufmannsfamilie Brentano das Anwesen. Besonders wertvoll ist die originale erhaltene Raumausstattung, welche in großen Teilen aus dem Barock, dem Klassizismus und der Gründerzeit stammt. Doch seit damals wurde wenig  in den Erhalt des Anwesens investiert - die Sanierungsbedürftigkeit des Hauses ist deutlich sichtbar.

Ein Magnet für die Dichter und Denker des 19. Jahrhunderts

Das Brentanohaus steht für mehr als nur gehobene Baukultur – es ist auch Träger und Zeugnis der Romantik. Denn nicht weit von dem Denkmal entfernt, am Ufer des Rheins, stieß sich 1806 Karoline von Günderrode, die auch „Sappho der Romantik“ genannt wird, aus enttäuschter Liebe einen Dolch tief ins Herz. Sie selbst war zerrissen zwischen Freiheitsdrang und einem antiquierten Frauenbild, dem die Ikone der späteren Frauenbewegung nie entsprechen wollte. Ihr Tod entsprach ganz dem Zeitgeist deutscher Poesie des 19. Jahrhunderts, einem von tiefer Melancholie geprägten Blick auf Natur und Vergangenheit. Mit dem Freitod der Dichterin, der vor allem in der Künstlerwelt weite Kreise zog, gewann auch das Brentanohaus an Bedeutung: es wurde über Jahrzehnte zum Zentrum der Rheinromantik und zog Schriftsteller wie Achim von Arnim, die Gebrüder Grimm und Johann Wolfgang von Goethe an.   

Bis heute bewohnt, trotz "giftigen Wänden"

Bis vor kurzem war das Brentanohaus ein Weingut mit angeschlossener Gastronomie und Privatwohnungen. Ende 2014 musste Udo Baron von Brentano das Haus an das Land verkaufen, weil insgesamt 2,1 Millionen Euro zum Erhalt nötig aber nicht verfügbar waren. Eine Betreibergesellschaft unter Beteiligung der Stadt und des Freien Deutschen Hochstiftes hat das Anwesen gepachtet und plant es instand zu setzen.

Führungen durch die historischen Zimmer sind nach Absprache möglich. Das Schlaf- und Arbeitszimmer, welches Johann Wolfgang von Goethe bei seinen Aufenthalten 1814 und 1815 nutzte, leuchtet noch heute so blau wie vor zwei Jahrhunderten. Die Tapete ist nie vergilbt. Denn die Farben wurden mit dem sogenannten Schweinfurter Grün gemischt, einer giftigen Substanz, die heute nie mehr Anwendung finden würde.

Vom Verfall bedroht

Der Gesamtzustand des Brentanohauses ist denkbar schlecht. Schon von außen fällt die heruntergekommene Fassade ins Auge. Fensterläden sind verrottet, Farbe und Mauerwerk bröckeln. Am kulturhistorischen Denkmal hat an jeder Ecke der Zahn der Zeit genagt.
Retten Sie mit und helfen Sie, dieses einmalige Denkmal zu bewahren, in dem gehobene Wohnkultur der Jahrhundertwende und die Zeit der Romantik immer noch lebendig sind.