Abtei Waldsassen

Zisterzienserinnen-Abtei in Waldsassen© Harry Linge, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Erste Gesamtsanierung der Abtei seit Barockzeit

Im März 2011 feierten die Zisterzienserinnen das Ende einer 15 Jahre dauernden Gesamtsanierung ihrer Abtei in Waldsassen. Auf den ersten Blick eine lange Zeit. Nicht jedoch, wenn man bedenkt, dass das Kloster seit der Barockzeit nicht mehr saniert wurde. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich an den Instandsetzungsarbeiten – insbesondere an der Restaurierung der ehemaligen Mälzerei. Hier musste der schadhafte Dachstuhl instandgesetzt werden und der Keller, Decken, Mauerwerk sowie der Putz gesichert werden. Doch noch immer ist viel zu tun in Waldsassen: Die ehemalige Klosterkirche (1689-1704) der weitläufigen Anlage muss dringen saniert werden. Das Gewölbe weist Risse auf und Fresken und Stuck sind stark verschmutzt. Der Bau mit seiner reichen Innenausstattung wurde einst von namenhaften Künstlern wie den Brüdern Georg und Christoph Dietzenhofer sowie dem Stuckateur Giovanni Battista Carlone erschaffen. Die jetztige Pfarrkirche wurde 1969 durch Papst Paul VI. zur Päpstlichen Basilika (basilika minor) erhoben. Zum einen wegen der geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung und zum anderen, weil die Kirche geistliches Zentrum des Stiftlands in Liturgie, Verkündigung, Kirchenmusik und Pastoral galt. Die Stiftsbasilika zählt daher zu den bedeutendsten barocken Kirchen in Süddeutschland. Mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz soll 2014 in einem ersten Bauabsschnitt der Chorraum restauriert werden. 

Gründung und erste Schließung durch Reformation

Gegründet wurde das Kloster 1133. In diesem Jahr ließen sich die Zisterziensermönche aus Volkenroda in Thüringen nieder. Einsam und entlegen im Wald betrieben die Mönche Landausbau, rodeten, richteten Wirtschaftshöfe ein und kultivierten das Stiftland. Während des Mittelalters wurde Waldsassen das landesständische Kloster der Oberpfalz, was jedoch im Zuge der Reformation um 1560 wieder aufgehoben wurde. Erst im Jahr 1661 besiedelte man Waldsassen wieder und erhob das Kloster 1690 vom Priorat zur Abtei. Während des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Zisterzienserinnen-Abtei zu einem geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Oberpfalz. 

Zweite Schließung durch Säkularisation

Doch diese Hochphase der Abtei währte nicht lange. Die Säkularisation in Bayern führte zu einer erneuten Schließung im Jahr 1803. Ein weiteres Mal mussten die Mönche das Kloster verlassen. Ihr Besitz wurde vom Staat übernommen. Damals zählten 715 Quadratkilometer mit 20.000 Untertanen, die Stadt Tirschenreuth, das Schloss Hardeck, sechs Marktorte – wozu auch Waldsassen und Konnersreuth gehörten – sowie mehr als 150 weitere Ortschaften zum Eigentum. Lediglich die Pfarrkirche wurde der katholischen Gemeinde übergeben. Die  Auflösung hatte weitreichende Folgen, war doch der Ort Waldsassen von der Wirtschaftskraft des Klosters stark abhängig. Rettung für die Einwohner kam durch den Kaufmann Wilhelm Rother, der das Kloster 1828 erwarb und eine Kattunfabrik errichtete, die Filz und Tuch produzierte. Durch die Fabrik wurde die wirtschaftliche Not der Bewohner gemildert. 

Wiederbesiedlung und Gründung der Mädchenschule

Im Jahr 1863 gab Rother die Fabrik auf und das Kloster wurde wiederbesiedelt durch die Zisterzienserinnen aus Seligenthal bei Landshut. Damit der Orden das Kloster erwerben konnte, musste eine staatliche Auflage erfüllt werden. Eine Mädchenschule mit einem Internat – so lautete die Bedingung – sollten die Schwestern übernehmen. In den Aufzeichnungen der Chronistin heißt es: "Ein großes Stück Arbeit war nun zu vollbringen. Die schmutzigen, rauchgeschwärzten Fabrikräume, sollten in ein wohnliches Kloster und in ein Erziehungshaus für die lebensfrohe Jugend umgestaltet werden." 

Heutige Nutzung der Abtei

Auch heute findet die „lebensfrohe Jugend“ wieder einen Platz in der Abtei. Seit den 1990er Jahren werden hier Schülerinnen an einer Mädchenrealschule unterrichtet. Auch eine Teeplantage, eine Paramentstickerei, ein Gästehaus sowie ein Kultur- und Begegnungszentrum mit staatlich anerkannter Umweltstation beherbergt das Kloster.